Der Weg zur Anerkennung

Wenn Sie einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung stellen wollen, muss der Antrag die Berufung auf das Grundrecht der Kriegsdienstverweigerung im Sinne des Artikels 4 Abs. 1 Satz 1 des Grundgesetzes enthalten.

Ein vollständiger tabellarischer Lebenslauf und eine persönliche ausführliche Begründung für die Gewissensentscheidung sind dem Antrag beizufügen oder innerhalb eines Monats dem Bundesamt für den Zivildienst (BAZ) einzureichen.

(Bitte alle Anlagen unterschreiben!)

 

1. Schriftliche Begründung

In Ihrer Begründung ist die Gewissensentscheidung darzulegen, die Ihnen zwingend verbietet, einen Dienst mit der Waffe zu leisten. Ihre Motivation kann recht unter-schiedlich sein. Oft wird die Erziehung zur Gewaltfreiheit herangezogen, aber auch religiöse oder ethisch-humanitäre Gründe sind ausschlaggebend.

Genauso können bei Ihnen bestimmte Situationen als Auslöser zur Verweigerung der Waffenanwendung geführt haben, z. B. Gewalterlebnisse, Tod von Verwandten oder Freunden, Berichte von Angehörigen über Kriegserlebnisse.

Die Begründung stellt den wesentlichen Teil Ihres Antrags dar. Sie kann mit einem/r KDV-Berater/-in besprochen werden. Zumindest sollten Sie sie mit Eltern oder Freunden besprechen. Vom Gesetzgeber wird eine „persönliche, ausführliche Dar-legung der Beweggründe für die Gewissensentscheidung“ gefordert. Im folgenden einige Fragen, die bei der Begründung helfen können:

Fragen:

  • Was hat mich angestoßen, über KDV nachzudenken?
  • Welche Werte sind für mich grundsätzlich in meinem Leben von Bedeutung und stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit meiner Kriegsdienstverweigerung? Wie komme ich zu dieser Haltung?
  • Was bedeutet für mich das menschliche Leben?
  • Was bedeutet für mich Töten im Krieg? Wie stehe ich zum Verteidigungskrieg?
  • Warum kann ich an keinem Krieg teilnehmen?
  • Was bedeutet mein Gewissen für mich, wo und wie bin ich ihm verpflichtet?
  • Welche möglichen Konsequenzen hat es, wenn ich, z. B. in Kriegssitua-tionen gegen mein Gewissen handle?

Bei der Kriegsdienstverweigerung geht es vor allem um die Ablehnung des Tötens in jeglichem Krieg.

 

Einige Überprüfungskriterien:

  • Ist die Begründung für jemanden, der mich nicht kennt, nachvollziehbar ohne weitere Erklärungen? Sind meine Beweggründe deutlich geworden?
  • Ist die Begründung persönlich? Also:
  • kein „man“, sondern immer wieder „ich“
  • nicht nur die Probleme der Bundeswehr allgemein, sondern vorrangig mein Verhältnis zum Töten im Krieg
  • nicht allgemein die Problematik der Rüstung, sondern meine Verweigerung aus Gewissensgründen
  • ist deutlich geworden, woran sich mein Gewissen orientiert und welche Auswirkungen das in meinem Leben hat?

Achtung: Eventuelle (Info-) Kontakte mit der Bundeswehr etc. müssen in der Begründung benannt und bearbeitet werden!

 

Beispiel aus einer Begründung:

Ich verweigere den Dienst mit der Waffe, weil ich nicht imstande bin, einen anderen Menschen im Krieg zu töten. Ich kann es mit meinem Gewissen nicht in Einklang bringen, wenn ich einen "feindlichen Soldaten" - einen Menschen wie du und ich - umgebracht hätte. Für mich gibt es keine Feinde, viel weniger Todfeinde. ...

 

Was passiert, wenn etwas fehlt?

Das BAZ muss unvollständige Anträge ablehnen. Es informiert den KDVer über das Fehlen entsprechender Unterlagen bzw. über Lücken in den Unterlagen (z. B. im Lebenslauf) und setzt eine Frist zur Vervollständigung, unabhängig davon, ob und wann den KDVer diese Aufforderung erreicht (z. B. Urlaub o. ä.).

Fristen einhalten!

Achtung: Unvollständige Anträge werden abgelehnt!!!

 

2. Ausführlicher Lebenslauf

Dieser Lebenslauf sollte die wichtigsten Lebensdaten ohne größere zeitliche Lücken enthalten. Begebenheiten, die in einem Zusammenhang zu der Kriegsdienst-verweigerung stehen könnten, sollten ebenfalls in den Lebenslauf aufgenommen werden.

Der Lebenslauf sollte Antwort geben auf die Frage: Wie bin ich zu dem geworden, was ich heute bin? Mit meinen heutigen Weltanschauungen, Einstellungen, Hobbies, Interessen ...?

Als wesentlicher Inhalt kann z. B. angesehen werden:

  • Name, Geburtstag und Geburtsort
  • Eltern und Geschwister, deren Beruf und Lebenssituation
  • Konfession, Verhältnis zur eigenen Religionsgemeinschaft (bei religiös begründetem Antrag)
  • schulische Ausbildung, erweitert um Besonderheiten wie Schulwechsel
  • berufliche Ausbildung bzw. Berufswunsch
  • besondere Interessen, Hobbies
  • Mitgliedschaft in Verbänden, Vereinen usw. (Zeitdauer, Funktion)

Wichtig ist der Zusammenhang von Lebenslauf und Begründung. Daten, die in der Begründung auftauchen, sollten bereits im Lebenslauf erwähnt worden sein. Der Lebenslauf sollte jedoch nicht in die Begründung eingeflochten sein. Notgedrungen wird daher manches auch doppelt erscheinen.

Anlage: Lebenslauf

 

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